Schweizer Kunst 2025 «Künstlerische Intelligenz»

Künstliche Intelligenz ist in aller Munde, und die Meinungen dazu gehen weit auseinander. In der Vorbereitung des aktuellen Hefts fragten wir uns immer wieder: Wie wird man dem Thema in der ausufernden, oft emotionalen Diskussion gerecht?

Wir haben festgestellt, dass das beste Mittel gegen alle Befürchtungen und Ängste die ernsthafte Auseinandersetzung und das Spielen mit der KI ist. Darum haben wir unsere Visarte-Mitglieder gefragt: Wie hast Du’s mit der KI? Viel Spass beim Entdecken.

 

Valentin Arens, Des E de Perec éventés, undatiert

«La disparition» von Georges Perec kennen viele, ohne das Buch gelesen zu haben. Der Titel ist Programm. Im über 300-seitige Roman kommt kein Buchstabe e vor. Er ist verschwunden, so wie Perecs nach Ausschwitz deportierte Mutter aus seinem Leben verschwand als er sechs war.  «Des E de Perec éventés» zeigt ein paar der verblasenen Es. Claude Sonnet 4 programmierte hierfür einen Generator, der es ermöglicht, Anzahl, Grösse, Transparenz und Verteilung der Fonts zu steuern.

Josse Bailly, ohne Titel, undatiert

Nicolas Bernière

L’I.A. développe notre puissance de calcule d’analyses de données, pas notre intelligence. Je n’utilise pas L’I.A. par soucis écologique, mais je la nourris malgré moi à travers le web. J’espère lui donner un peu de poésie à se mettre sous la dent. Je crains que L’I.A. soit au service du pouvoir, outil de domination idéal pour notre modèle phallocratique et son économie fascisante.

Janeth Berrettini

Was wäre, wenn KI offenlegen würde, wessen Werke sie verwendet – und die Urheber dafür bezahlt?

In sozialen Netzwerken sind wir alle Content-Creators. Wenn unsere Bilder, Texte oder Videos Einnahmen für ein Unternehmen generieren, sollten wir als Urheber ebenfalls davon profitieren.

Alfons Bürgler

Ich habe eine Geschichte und fragte bei swissanimation nach, ob sie dazu einen kurzen Animationsfilm machen könnten, ohne Worte, der von allen Menschen auf der ganzen Welt verstanden würde. Sie meinten ja gerne, das Thema wäre sehr gut im Moment, aber so ein kurzer Film koste zwischen 200- und 300- Tausend Franken. Unmöglich für mich, wenn ich aber das Geld hätte, würde ich das gerne ausgeben.

Nun aber bin ich daran, mit jungen Menschen über KI ein solches Video zu produzieren.

Claudio Cotting

So halte ich es mit der künstlichen Dummheit …

Jonathan Delachaux

J’utilise l’intelligence artificielle de manière intensive depuis un an.
Au départ, je m’y refusais : pour chacun de mes tableaux, je crée moi-même les décors, j’y installe mes personnages imaginaires modelés en pâte-à-modeler, je leur donne une expression, une posture… Puis je photographie l’ensemble pour peindre d’après l’image. Mais aujourd’hui, l’un de mes personnages fictifs a pris les choses en main : Malkos, fils de Naïma (un autre de mes personnages, née en 1996), a maintenant 13 ans. Il est né symboliquement le jour de la mort de Roman Opalka. Depuis avril 2024, il peint trois tableaux par semaine. Contrairement à moi, Malkos ne s’interdit rien. Il utilise l’IA pour générer ses propres décors, inventer ses propres personnages, puis réalise ses tableaux selon les techniques que je lui ai transmises. Depuis un mois, nous partageons un atelier au Grütli, à Genève. J’ai tendu une toile de 400 x 200 cm, je l’ai apprêtée, et je travaille encore à la composition de mon décor. J’espère pouvoir commencer à peindre d’ici quelques semaines.
Pendant ce temps… Malkos a déjà peint dix tableaux.

Susanne Dubs, KI körperlich, undatiert

Rechtfertigt KI den Hype?

KI für Recherchen heranzuziehen, erschien mir zunächst plausibel – ein Trugschluss, aber sehr lehrreich. Die Angebote der KI erscheinen amerikanisch, kitschig – von Klischees oder Zensur geprägt, spekulativ und meist fehlerhaft. In mächtigen kapitalistischen Strukturen kann KI sehr gefährlich werden. KI ungeprüft anzuwenden, ist blauäugig. Konflikte zwischen Mensch und der künstlichen Maschinen-Intelligenz sind vorprogrammiert …

Tiko El Outa, Napoleon Complex, undatiert

Ich glaube, wir sollten KI als interdisziplinäres Werkzeug verstehen, wie ich das in meinem Projekt «Napoleon Complex» gemacht habe. KI kann Verbindungen schaffen, Recherche erleichtern und Prozesse beschleunigen. Aber der kreative Impuls, das Risiko, das Denken gegen den Strich, das bleibt unser ureigenes Terrain. In diesem Sinne: KI ist ein Plus, kein Minus!

 

Ilse Ermen, Ich bin nicht Rumpelstilzchen (aus der Serie «Identités électives», undatiert, Stempel auf Siebdruckkarton)

Hatte Leibniz die Rechenmaschine erfunden, um sich von der lästigen Arithmetik zu befreien, so scheint die KI erfunden worden zu sein, um die Menschheit von der lästigen Aufgabe des (kritischen) Denkens zu befreien. Aber nicht nur das Denken, sondern sämtliche Lust erzeugenden Tätigkeiten werden abgeschafft: Ein künstlerischer Schaffensprozess ist sowohl geistig wie auch sinnlich. Lösungen zu finden ist eine Lust, Materielles zu schaffen ist genauso eine Lust wie Essen, Wandern, Sex. Es ist unverständlich, warum grosse Teile der Menschheit danach streben, sich selbst abzuschaffen.

Al Fadhil, ohne Titel, undatiert

IA, limiti e potenziale creativo L’IA ha la capacità di manipolare immagini, suoni e testi con una velocità e precisione incredibili. Può aiutare a creare nuove immagini e simboli (come un corpo umano che si dissolve lasciando solo la testa, che sembra un oggetto), e produrre immagini surreali che aprono spazi di riflessione nuovi. In questo senso, è un potente strumento artistico. Ma per capire i limiti, ho chiesto alla IA di manipolare liberamente, una foto che rappresenta un migrante davanti al mare. In questo specifico caso, l’IA ha frainteso l’intenzione poetica o simbolica: togliendo il corpo e lasciando la testa, ma abbassandola troppo, ha involontariamente creato una forma che richiama un oggetto (un pallone) anziché una presenza umana.

Petra Feliser, Zweite Winde, 2023 (mithilfe des KI-Programms Dalle geschaffen)

Das KI Malprogramm Dalle nutzte ich zunächst, ohne eigene Bilder einzulesen. Die Resultate überzeugten mich nicht, bzw. konnte ich mich mit den so kreierten Bildern nicht identifizieren. Anschliessend machte ich Fotos von rudimentären Überlagerungen aus eigenen Ölbildskizzen und Zeichnungen auf Transparentpapier. Diese Bilder wurden dann mit

Dalle über Textanleitungen weitertransformiert. Die so entstanden Bilder haben mich überrascht und überzeugt.

Eduardo «Dudu» Ferrero, mit MagicStudio generiertes Bild, 2025

Beim Einsatz von KI sollte der Künstler weiterhin das Ziel der Kunst erfüllen, d.h. die sozialen Probleme der heutigen Gesellschaft aufzunehmen und künstlerisch darzustellen. Meiner Meinung nach muss jedes künstlerische Werk von Anfang an immer auf diese Botschaft ausgerichtet sein und auf dieser Grundlage weiter konzipiert werden. Andernfalls würde dieses Tool nur für die rasche Schaffung von «Schönheit» verwendet werden, aber keine Kunst im Sinne der Vermittlung von Konzepten ermöglicht, lediglich Kreation.

Sylvia Geel, Damoklesschwert, undatiert

KI hängt wie ein Damoklesschwert über uns.

Yvonne Gienal, Ich mit meinem digitalen Mitarbeiter ChatGPT 40, undatiert (geschaffen mithilfe von ChatGPT, 2. Variante)

KI ist mein Sparringpartner, mein Mitdenker, ein digitaler Mitarbeiter meiner Kunst- und Kultur-Ich-AG. Ich nutze KI täglich – mal als schnelle Hilfe zum Gegenlesen von Mails, mal als tiefgründigen Impulsgeber für neue Ideen und Perspektiven. Unsere Gedanken gehen hin und her wie in einem Ping-Pong-Spiel: Fragen, Rückfragen, Verwerfen, Präzisieren. Kreatives Arbeiten mit KI braucht Zeit. Die KI vergisst manchmal, was man wollte, sie erzählt Unwahrheiten und fischt im Trüben … Aber hey, plötzlich ist eine Eingebung da und man staunt über den gemeinsamen Prozess …

Amina Giger

Ich arbeite als Kunstlehrerin an einem Gymnasium und beobachte, dass aus Unsicherheit und Bequemlichkeit direkt auf KI zurückgegriffen wird – wenn es um Ideenfindung geht und ich es nicht ausdrücklich verbiete. Die Programme liefern «schöne» Bilder, die dann unreflektiert als direkte Vorlage genutzt werden. Es liegt in der Natur der Sache, dass KI-Bilder generisch und damit mittelmässig sind. Davon ausgehend eigenständige, persönliche, interessante Kunst zu schaffen, ist praktisch unmöglich. Und das Vertrauen in die eigene Kreativität bleibt gleichzeitig ebenfalls auf der Strecke.

Florian Graf, Liberté, Egalité, Fraternité, 2022, Stahl, Aluminium, Siebdruckfarbe

Der Energieverbrauch von KI beträgt jährlich ca. 400 TWh und soll sich in den nächsten Jahren verdoppeln. Das entspricht dann fast dem Energieverbrauch von halb Europa. Gleichzeitig wird KI mit messianischen Heilversprechen angepriesen: Sie soll unter anderem auch Probleme wie Klimaerwärmung oder Ressourcenverbrauch lösen. Ich bin gespannt, ob die KI Probleme lösen wird, die sie selbst verursacht.

Lawrence Grimm, The Artist, 2025

Action figure created by my brain (in response to the millions of action figures created by AI recently)

Max Grüter, Geburtsstunde der virtualistischen Künste, undatiert

Als «Inflation der Träume» bezeichne ich das Wirken von Künstlicher Intelligenz auf mein imaginäres Inneres. Je leichter sich etwas realisieren lässt, desto schneller läuft es Gefahr, an Wertigkeit zu verlieren, und desto weniger bleibt Freiraum, um davon weiter zu träumen. Was bedeuten meine Visionen noch, wenn diese ohne grosse Anstrengung in märchenhafter Qualität vor mir liegen? Und was bleibt vom Traum, wenn selbst das Unvollkommene und Rätselhafte künstlich erschaffen werden kann?

Alexander Hahn, Stable Diffusion – Medusa Rising I-VIII, 2023/2024, Pigmenttine auf Kunstpapier

Seit über vier Jahrzehnten erkunde ich die poröse Grenze zwischen Erinnerung und Bild. KI hat mein Atelier um eine zweite, rechnergetriebene Hand erweitert. Sie ermöglicht ein Ping-Pong zwischen eigenen Aufnahmen, ihrer algorithmischen Verwandlung und der Rückkehr ins Materielle (etwa als überarbeiteter Inkjet-Monoprint). Die KI ist ein Gegenüber, das meine Bilder vergisst und neu erfindet – wie die Erinnerung: selektiv, lückenhaft, stets im Werden. – So habe ich’s mit der KI.

Miroslaw Halaba

L’IA ? De fantastiques perspectives pour l’art. Son potentiel est tel qu’on n’en saisit pas l’ampleur. L’IA est présente, on s’en sert et on va s’en servir ! Mais quoi des artistes qui pratiquent des formes d’expression traditionnelles ? Bénéficieront-ils encore d’assez d’écoute pour rester visibles ? Certes, mais il faut agir. Par exemple, en distinguant les divers médiums avec leurs spécificités. De faire en sorte, par exemple, qu’un aquarelliste puisse dialoguer à égalité avec un artiste adepte du numérique.

Emanuel Halpern, KI, undatiert, Öl auf Leinwand

Ich plädiere für den Erhalt analoger Fähigkeiten in der breiten Bevölkerung, so dass bei einem Blackout nicht gleich die Welt untergehen würde. Ein Sicherheitsnetz unter dem Risiko der totalen Auslagerung und erpressbarer Abhängigkeit, mit welcher wir uns in dünne Luft begeben. Darum probe ich an der herkömmlichen, von Hand gemachten Darstellung den seelischen Ausdruck. Die situative Intuition ist dabei massgebend, dazu ist KI nicht in der Lage.

Roger Harrison, Fotografie bearbeitet mit KI, 2025

Alle meine guten Bilder optimiere ich mit KI – es geht schneller als «von Hand». So, wie ich KI verwende, ist es eine gute Sache.

 

Lilian Hasler, Fragmented Realities, 2024, Mixed Media (Ausstellungsansicht)

Die Recherchearbeit für ein neues Kunstprojekt ist mir seit vielen Jahren vertraut und hat sich in der Vergangenheit oft vielschichtig abgespielt. War jeweils der Besuch von geeigneten Bibliotheken, der zufällige Fund eines Reliktes, eine spannende Aussage in der Zeitung oder einer Debatte Ausgangspunkt für eine vertiefte Auseinandersetzung mit einem neuen Thema, sind es heute schlicht eine kurze Frage oder einige Keywörter, die im ChatGPT eingegeben, eine neue Idee verdichten und konkretisieren. Und ChatGPT ist immer freundlich, noch!

Martin Hauri

Mein Fazit zu KI (ChatGPT 4, Gratisversion)

  • Ich befrage die KI für eher allgemeine Themen, sie geht direkt auf meine Fragen ein.
  • Auf Fragen zu Kunstthemen liefert KI sehr viel, jedoch nur das, was öffentlich zugänglich ist und was irgendwo irgendwann niedergeschrieben wurde. KI interpretiert nicht, und «zum Glück» entscheidet sie (noch) nicht.Sie ersetzt keinesfalls Wikipedia oder ähnliche, eigene Recherchen.
  • KI liefert für mich wenig Neues, aber gut verwendbare Fakten.
  • Zur Produktion von Bildern habe ich wenig Erfahrung. Ich liess ein Bild zu einem Text «malen», es war aber langweilig und sehr «mainstream».

Gigga Hug, O.T. (aus der Serie And suddenly AI, undatiert

Ich nutze aktuell ein KI-Tool, mit welchem ich Sequenzen eigener digitaler Fotos neu interpretieren lassen kann. Ich kann Elemente wegwischen und die KI ersetzt diese mit neuen Sequenzen. So entferne ich nach und nach selbst hergestelltes Bildmaterial, bis eine Neuinterpretation entsteht. Ich «reinige» meine digitalen Landschaften und daraus entstehen oft solche mit einer mir neuen Ästhetik.

Hulda Zwingli

Frage an chat.openai.com/chat
Wer ist Hulda Zwingli?

Hulda Zwingli war eine Frau, die im 16. Jahrhundert in der Schweiz gelebt hat. Sie war die Ehefrau von Ulrich Zwingli, einem wichtigen Reformator der Schweizerischen Kirche und einem der Gründer des Protestantismus. Es gibt wenig Informationen über Hulda Zwingli, da sie in den historischen Aufzeichnungen nicht oft erwähnt wird und keine bedeutenden Schriften hinterlassen hat. Es ist bekannt, dass sie eine treue Anhängerin ihres Ehemanns war und ihm bei seiner Arbeit zur Reform der Kirche geholfen hat. Sie starb 1529 im Alter von nur 27 Jahren, wahrscheinlich an der Pest.

Rita Maya Kaufmann

Ich nutze KI kaum für meine künstlerische Arbeit, habe jedoch nichts dagegen, wenn sie als technisches Hilfsmittel eingesetzt wird. Dies sollte aber in jedem Fall transparent kommuniziert werden. Die Angst vor KI verstehe ich nur dort, wo es um möglichen Missbrauch durch grosse Konzerne geht. KI ist nur so intelligent, wie sie vom Menschen gemacht wird. Was mich an ihr stört, ist die grosse Energie, die sie verbraucht. Allein deshalb würde ich sie nicht nutzen. Die Kunst sollte sich mehr – und ernsthafter – mit Nachhaltigkeit befassen.

Franziska Krauss, Selfie beim Malen «en plein air» in der Viamala Schlucht, undatiert

KI hilft mir, mein Kunstmarketing selbst und effizient zu gestalten: Newsletter schreiben, Beiträge formulieren, Mails beantworten – so bleibt mehr Zeit fürs Malen. Gleichzeitig besinnt sie mich aufs Wesentliche: Echte Begegnung, Originale, Menschsein. Denn alles andere kann die KI. Ich nutze sie als Sekretärin – und bleibe selbst die Operateurin. – Text mithilfe von KI verfasst.

Mariann Landolt, ohne Titel, undatiert

KI ist ein rein technisches Produkt, welches reglementierte Abläufe optimieren oder auch neu generieren kann. Dies funktioniert in der heutigen durchorganisierten Welt, welcher fixe Strukturen zu Grunde liegen.

Im Bereich der Kunst werden gerade diese Tatsachen und Normen verändert oder gar aufgelöst. Frei von Diktat folgt der Kunstschaffende seinen Emotionen, lässt seinen eigenen kreativen Gedanken freien Lauf. Diese finden dann eine Form in verschiedenen Techniken, analog oder digital, basierend auf der eigenen individuellen Logik, welche in den eigenen menschlichen Hirnströmen geformt wird. Werden diese nicht genutzt, verkümmert das logische  vernetzte Denken.

Till Langschied

Künstlerische Arbeit geschieht nicht im Dienst eines abgeschlossenen Produkts. Künstlerische Tätigkeiten sind vielmehr materialisiertes Denken. Der Prozess ist das Relevante und die Ergebnisse sind mehr ein ausgeschwitzter Rückstand. Die verständnisfreien Kopier-Collagier-Maschinen, die aus Marketinggründen «Künstliche Intelligenz» genannt werden, beseitigen in ihrem Algorithmusfleischwolf daher nicht das «Produzieren», das anscheinend viele abgeben möchten, sondern das «Denken» selbst.

Es ist, als würde man sich mit den ressourcenverschlingenden Serverfarm-Monstern kleine Löcher ins Hirn bohren, so wie Science-Fiction Autorinnen es beschreiben, wenn Aliens Versuche an Menschen durchführen. Das Auslagern des Denken in die Maschine, die eben nicht denkt, ist eine Zerlöcherung von Gedanken und damit auch von Kultur. Vielleicht muss man doch einmal mehr (wenn auch unwillig) an Joseph Beuys denken, der für seine Akademieklasse in Düsseldorf die Maxime ausgab: Wer nicht denken will, fliegt raus.

Thierry Leclerc

Si l’on sait qu’en matière de médecine par exemple l’IA est un outil formidable, on commence à comprendre qu’entre les mais de tout le monde l’outil est incontrôlable et qu’aux mains des tyrans l’outil est terrifiant.

En matière artistique, toutes les disciplines artistiques confondues sont des activités par définition d’essence humaine. L’IA ne serra donc jamais capable de produire que de l’inhumain.
Et ceci quelque soit son utilité apparente son côté séducteur ou la proportion d’IA inclue dans une œuvre.

À mon sens l’IA fait partie des outils au service de ceux qui déshumanisent le monde. N’en faisons pas usage !

John Lippens, Image récente où j’ai utilisé l’IA pour la produire (en sachant qu’il y a un travail pictural ou photographique personnel qui est à la base de l’image)

L’IA, au fonctionnement profondément différent du nôtre, est pour moi un partenaire imprévisible de création. Un dialogue avec l’étranger, aussi irritant que subjuguant, surprenant et stimulant. Mais vu ses dangers, la vigilance s’impose … je milite pour une « low » IA, à notre service, dont on peut repérer erreurs ou malfaçons. Limiter sa toute-puissance, maintenir la perception de la fiction comme telle : cela a l’air vrai, en sachant que cela ne l’est pas, jouissons de cet entredeux paradoxal.

Enrico Luisoni

Die «Regionale» ist ein grenzübergreifendes Projekt. 21 Institutionen aus der Schweiz, aus Deutschland und Frankreich zeigen zum Jahresende künstlerische Positionen aus diesem Raum. In der Städtischen Galerie Stapflehus in Weil am Rhein wurde eine KI für die Kuratierung und Durchführung verwendet. Sie erstellte Ausstellungstexte, Pressemitteilungen, Social Media-Texte, die Eröffnungsrede usw.

Mein Dossier wurde von der KI ausgewählt.

René Magaña

Neugestaltung des Trikots für die Berner Young Boys: links Vorschlag der KI, rechts der Künstlerin (Resultat aus dem kreativen Austausch zwischen der Künstlerin Fleshy und Skeli Bot, einer KI mit Hang zum Morbiden).

Luc Marelli,

Chaque jour une nouvelle idée à propos de l’IA. Ici celle du jour 27 du 5e mois de l’année 2025

 

A vol d’oiseau (non pas que les figurants soient des oiseaux)
Il m’a été rapporté qu’un petit passereau se déplace dans un cercle de 200 mètres environ.
Il y dort, il y becte, il y convole.
Il en va de même pour le piétons retraité.
Pour ma part:
Je les croise, entre café et magasin de nourriture, sur un tronçon bien délimités de la rue de Carouge.
Il en ira de même pour IA.
Les habitudes, quelles qu’elles soient, se perpétueront pour le meilleur et pour le pire,
accentuant certains traits de l’être humain.
au péril…
Et la proximité, la périodicité des rencontres concoctera -au niveau intellectuel souhaité- simplement de nouvelles habitudes.
Des accointances avec la bête affamée.
Mais
Dans le gribouillage expirera la bestialité.
La fureur d’un pouvoir illusoire engendrée par la machine masquée, aussi.
Je ne suis pas devin, dieu merci.
J’ai des yeux pour voir
Merci
Le matin l’insupportable dort.
La bougie et le stylo sont mes héros.

Et
Les gribouillis du jour en accompagnement:
«On mangera de l’IA comme un gelato al limone»

Guillaume Marès

This is an actual (1st ever) run of ChatGPT on May 11th by Guillaume (Marès):

Guillaume asked (9.33’05’’ AM):
Describe my position on AI in the first person.

ChatGPT answered (9.33’06’’ AM):
Your opinion is: «I see AI as a powerful tool that expands my creative possibilities. It helps me experiment, push boundaries, and sometimes achieve more than I expected. But for me, true creativity remains deeply human — emotion, intuition, and intention can’t be replicated by a machine.»

Guillaume wondered (9.34’05’’ AM):
Mmh … feels almost as wishfullingly right as when I read my horoscope.

Guillaume thought (9.44’42’’ AM):
I need my brushes to craft and sketch my own mind about it.

Haus am Gern (Barbara Meyer Cesta und Rudolf Steiner)

Wir benutzen KI für gewisse Visuals von Flyer o.ä., weil sie angenehm unangepasst daherkommen. Zudem schreibt CHAT GPT sehr informative und gut formulierte theoretische Texte zu Kunsttheorie, auch als Essay in Zusammenhang mit unseren Werken. Das ersetzt uns die fehlende Rezeption vonseiten der natürlichen Intelligenz in jeder Hinsicht aufs angenehmste. Qualitativ gute Resultate hängen allerdings von qualitativ guten und präzisen Aufträgen ab. Wir deklarieren die KI-Beteiligung zudem mit Vergnügen.

Malizia Moulin, sans titre, sans date

En 1995, je suis apprentie en sérigraphie dans un petit atelier artisanal. À la fin de ma formation l’informatique et le numérique prennent beaucoup d’ampleur, les places deviennent rares et le domaine tant à disparaître. À mon arrivée à Genève dans le milieu artistique presque 20 ans après, les techniques d’impression du passé qu’on pensait devenir obsolètes sont revalorisées. Face à l’IA j’ai beaucoup d’espoir que le même phénomène se produise et rende précieux la création faite par l’humain.

Patrik Muchenberger

KI begleitet mich zunehmend als Werkzeug in meiner künstlerischen Arbeit, sei es für administrative und organisatorische Aufgaben oder zur Strukturierung eigener Gedanken, neu aber auch in meiner künstlerischen Tätigkeit.

Aber mein Verhältnis zur KI bleibt ambivalent: Anwendungen in sicherheits- oder geopolitischen Kontexten – etwa im Hinblick auf Iran, Israel, Ukraine oder Russland – lösen bei mir teils starke Bedenken aus. Auch Geschichten über sogenannte «Kill Commands» oder «Skipped Shutdowns», Systemfehler oder autonome Entscheidungsprozesse wie bei o3 oder Codex-Mini irritieren mich zunehmend.

Pascal Murer, Stars, 2025, Frottage, Kohle auf Baumwolle, 120 x 120 cm

Alle wissen wir, die Zukunft steht in den Sternen. Betreffend KI-Kunst hingegen vermute ich: «Aus Kunst wird Künst!»

Fernando Obieta

«Machine Learning» sind Langeweile-Maschinen. Sie können nur Dinge produzieren zwischen schon Bekanntem. Künstlerisch und kulturell birgt diese Technologie keine tieferen Erkenntnisse. «Large Language Models» können kleinere banale Arbeiten abnehmen, aber gleichzeitig verlernen wir auch, diese selbst zu erledigen. Sie sind definitiv künstlich, aber keineswegs intelligent – in keiner Form. Es handelt sich ausschliesslich um angewandte Statistik. Mehr nicht.

Franco Poretti

La IA è un ulteriore mezzo per essere schiavi di poche persone che decideranno, nel loro interesse,  come la maggior parte degli esseri viventi dovranno pensare ed agire.

Michaël Reinhold

KI schreibt schneller, klüger, stilsicherer?

Mag sein. Aber das künstlerische Zweifeln

nimmt sie mir nicht ab.

Sie rechnet, ich taste.

Sie liefert, ich verwerfe.

Und wenn’s gut wird,

war’s dann die KI – oder ich?

Vielleicht ist das egal.

Die Kunst fragt sowieso nicht danach.

Uta Richter, Ikarus-Landschaft mit zwei Sonnen, Öl auf Leinwand, 15 x 50 x 40 cm.

Ikarus wollte hoch hinaus in die Lüfte. Heute beflügeln die Tiefen neuronaler Netzwerke unseren Geist. Statt Tragflächen haben wir KI und so manche Espressomaschine rechnet besser als jeder Mathelehrer. Der Mensch gibt die Kontrolle ab, Hauptsache der Kaffee ist stark und die Cloud erreichbar. Wie Ikarus fliegt auch der moderne Mensch Richtung Sonne – diesmal allerdings mit einem Jetpack aus Python-Skripten und Programmierschnittstellen, stets gefährdet, sich an den heißen Festplatten der eigenen Erwartung zu verbrennen.

Anne-Claude Rigo, Mixed media project, digital print sur lin et coton, sans date

Le numérique soutient mes projets depuis des années, en parallèle aux techniques traditionnelles. L’IA est un outil supplémentaire, une évolution à intégrer avec ses problèmes et questions. Je suis curieuse du potentiel pour mon travail mais l’argument du gain de temps m’indiffère. «Prendre son temps» à l’atelier est important pour moi, tout va si vite et garder un peu d’indépendance face aux écrans également.

Dimé Sableur (Alioune Dimé), tableau réalisé avec du sable et un copie collé par l’IA, sans date

Tout œuvre créer avec l’aide de l’intelligence artificielle n’est pas original, à cause du manque de l’authenticité et des émotions que l’être humain dispose. Mais de nos jours, il peut nous aider pour l’imagination et l’inspiration et nous font voyager dans l’univers virtuel.

Adelheid Sandhof, KI-Verbindungen zwischen Schmetterlingen, Öl auf Kunststoffverglasung, Aquarell gespritzt auf Leinwand auf Pappe, echte Schmetterlingsflügel, 2025

Die sichtbaren gemalten Verbindungen entstehen nicht zwischen den Lebewesen, sondern nur «unter sich». Dabei verstellen sie den Blick für etwas Echtes.

Louis Schlumberger, ohne Titel, undatiert

KI kann Künstler:innen helfen, effizienter und flexibler zu arbeiten, oder in Verbindung mit technischem Knowhow sogar neue Kunstformen kreieren. Im Gebiet der Malerei sehe den Sinn der KI für Künstler.innen eher als Hilfsmittel oder Werkzeug, da KI menschliche Emotionen nicht authentisch übernehmen kann. Diese sind unvollkommen und mysteriös und selbst wenn KI diesen Level erreicht, fehlt der spontane und tiefgründige Aspekt des Individuums. Vor allem Künstler:innen mit Synästhesie beispielsweise können verschiedene Sinneswahrnehmungen gleichzeitig aufnehmen und kombinieren. Sie sind hypersensibel und reagieren emotional intensiv auf die Umwelt. Dies ist eine sehr anspruchsvolle Aktivität, welche die KI nicht ersetzen kann. Vielmehr besteht die Gefahr, dass die Verbindung von KI und von Künstler:innen mit Synästhesie die künstlerische Work-Life-Balance beschädigen oder gar zerstören kann.

Margrit Rosa Schmid, Lockvögel täuschen KI, Siebdruck, 50cm x 65cm, 2025

Raster/Muster mit geringfügigen Modifikationen können KI verwirren und in die Irre führen.

 

Claire Schmid Furrer

Die Künstlerin liess ihre Gedanken zur KI von ChatGPT auf einen Text von 500 Zeichen kürzen und spielte mit unterschiedlichen Tonalitäten. Hier das Resultat im «sachlich-pragmatischen Ton»:

KI dient mir als Werkzeug für Texte: strukturieren, verbessern, übersetzen – oft nützlich, aber nicht immer befriedigend. Ich kombiniere Varianten, vergleiche, passe an. Bei Bildsuche nutze ich lieber andere Tools. KI spart Arbeit, bleibt aber fehleranfällig. Für Künstler:innen bringt sie Risiken: Digitale Werke sind schwer schützbar, analoge Techniken bieten mehr Sicherheit. KI gezielt einsetzen – mit Augenmass.

Schneider Andreas

Für eine Ausstellung mit dem Titel Food for Thought, welche um die Themen Konsum, Begierde und das Zusammenspiel von Fressen und Gefressenwerden in der Nahrungskette (übertragen auf unsere heutige Konsumkultur) spielt, hatte ich ein Bild eines offenen Rachens im Kopf. Da ich nicht male, sondern installativ arbeite, nahm ich die KI zur Hilfe.

Herausgekommen ist ein Sinnbild für gedankenlosen Konsum und die Sehnsucht nach ständiger Selbstoptimierung. KI macht Fehler – hinter der Gabel etwa fehlen die Zähne –, jedoch auch glücklich, wenn sie gut eingesetzt wird!

Christoph Schreiber

Für mich ist KI ein neues spannendes Arbeitsinstrument, welches vielerlei interessante Möglichkeiten eröffnet. Ich habe vor, mich noch eingehend damit zu beschäftigen und freu mich auf eine bereichernde Zeit und tiefgreifende Resultate!

Miriam Selmi Reed

Meine Meinung als Eidg. dipl. Grafikerin / Illustratorin: Nicht nur, dass der PC seit den 90er Jahre den Grafikern immer mehr Arbeit weggenommen und den Wert der Grafik dadurch reduziert hat. Nun ist jeder in der Lage z.B. mit Adobe Firefly Bilder mit einem einfachen Prompt zu generieren.

Anbei ein paar Resultate generiert mit Adobe Firefly.
Prompt 1: Herz
Prompt 2: Herz, romantisch

Was Tage dauerte und gut bezahlt war, dauert nun Sekunden.  Was im Moment ausser Acht gelassen wird, ist; was sind die rechtlichen Konsequenzen? wer ist nun der Urheber?

Ich arbeitete 10 Jahre als Grafikerin, Illustratorin und Künstlerin in Hollywood und habe die Digitalisierung in Film, Medien und Kunst hautnah miterlebt. Meiner Meinung nach wiederholt sich die Geschichte, alle 100 Jahre, nur könnten die Auswirkungen diesmal noch dramatischer werden. Da ich trotz allem positiv denke, erinnere ich mich gerne an den Satz einer meiner damaligen Expert:innen an der Schule für Gestaltung, als damals vor vielen Jahren plötzlich der PC Einzug ins Klassenzimmer machte. Sie sagte: «Der Mensch wird trotz allem weiterhin das kreativste Wesen bleiben, trotz Computer – denn Geschmack kann man nicht lernen. Entweder man hat Talent und Seele oder nicht.»

Spitzbarth Marco, «Echoes of a Sun Never Born» – ein Gedicht (2025)

 

This is no memory.
The waves do not move,
held in place like breath never inhaled.
The aperture bleeds gold across a sky
that has never felt the warmth of a sunray.
It sets without ever rising,
painted into existence
by something that does not dream.
No birds, no wind — only stillness
and a perfect lie:

a world where even the dusk is coded,
and beauty has no pulse.

Peppa Strasser

Am Anfang stand der Groll über leb- und seelenlose KI-generierte Kunst und Bilder sowie über «Künstler», die sich nicht mehr die Mühe machen, überhaupt einen eigenen Stil zu finden, sondern ihn sich generieren lassen. Mittlerweile wird man überschwemmt von den immer gleich anmutenden Kreationen und ist davon gelangweilt. Man erkennt sie auf den ersten Blick, es fehlt die Seele, es ist zu perfekt.

Aber … ich nutze ChatGPT fast täglich für Textkreationen, für Ausstellungen, für Social Media Posts und Werbematerial. Für Tipps zum perfekten Künstlerauto (welches ich mittlerweile gekauft habe), bis zu Tipps zu Farben, Techniken, Pinseln, Materialien. KI spart mir extrem viel Zeit und fühlt sich an wie ein allwissender Mitarbeiter, der immer einen guten Rat hat.

Ivana Taglioni, Verso la libertà, 2022, e I.A. Chat GPT, 2025

Sono un’artista autodidatta, molto materica. Se non conosco bene l’uso di un materiale mi capita di rivolgermi ad artigiani. Le mie conoscenze sull’IA sono nulle. Ho fatto chiedere all’IA di realizzare un’opera in legno fornendo come input il testo che commenta la mia. Mi chiedo: ma se l’artista quando non riesce a realizzare un’idea chiede aiuto all’artigiano, è anche accettabile che lo chieda all’IA? Senza mettere in dubbio le opportunità offerte dall’IA, penso che tutto stia nell’onestà da parte dell’artista.

Katalin Tesch, The Sky-Blue Circle, 2024

Solo per chiarire: Ciò che trovo più affascinante dell’IA generativa è il suo funzionamento come una sorta di memoria collettiva – un vasto archivio da cui possiamo attingere ciò di cui abbiamo bisogno in un determinato momento. Come la memoria umana, è selettiva, ricostruttiva, emotivamente influenzata e spesso inaffidabile. L’affidabilità che un tempo attribuivamo alla fotografia e alle immagini digitali come documentazione del reale è stata progressivamente messa in discussione da tecnologie in continua evoluzione come i software di fotoritocco, i deepfake e gli algoritmi generativi. In quest’ottica, potremmo dover ripensare il ruolo degli oggetti fisici e dei metodi alternativi – oggi forse obsoleti – per definire e documentare la realtà e la verità.

Eva von Wartburg, Summergarte, Videoinstallation im Zeughaushof Zürich, 2025

Die ortsspezifische Videoinstallation projiziert mit KI generierte 3D- Modelle von einheimischen Unkräutern auf den Stamm einer 100-jährigen Platane. Die so erschaffenen Pflanzen unterscheiden sich von naturalistischen Abbildungen durch vereinfachte organische Formen und Farben. Der Stamm des Baumes fungiert als Leinwand und gleichzeitig als Schnittstelle zwischen gewachsener und errechneter Natur. Das Zusammenspiel verweist auf die zunehmende Verwobenheit biologischer und technischer Systeme. KIs entstehen, gemäss eigener Aussage, aus komplexen Netzwerken und ignorieren – ähnlich wie Unkraut – etablierte Ordnungssysteme.

Guido R. von Stürler, Openart.ai & images/models/prompts by Guido R. von Stürler, 2024. All rights reserved © by Guido R. von Stürler

Herbert Weber, KI-Generiert, 2023, Pigmentprint mit Kugelschreiber bearbeitet

Fanny Zambaz

Je ne veux pas de ce monde qui nous offre des pixels pour nous faire rêver et qui aspire à nourrir nos enfants d’une musique qui n’a jamais fait vibrer le tambour du moindre coeur.

Je ne veux pas de ce monde dans lequel l’immense poésie du vivant se vit au travers d’artifices au lieu de se ressentir au grand air, sous la pluie ou dans le vent. Non je ne veux pas de ce monde dans lequel les poètes perdent leur audience, morte le cerveau atrophié à trop aduler cet IA.

L’artiste, c’est l’artisan des émotions vécues dans un monde ou chantent les oiseaux et ou s’aiment les amants. L’IA c’est l’horreur du monde, et ça nous perdra.

Eliane Zinner, Was bleibt, undatiert

In meiner aktuellen Arbeit untersuche ich den Zusammenhang zwischen alten, überlieferten Sagen und KI-generierten Sagen. Ich bin im Wallis aufgewachsen und meine Kindheit wurde durch Walliser Sagen geprägt. Heute beschäftig mich das Unheimliche, Abwesende und dennoch Präsente beschäftigt in meiner künstlerischen Arbeit. Ich empfinde KI als etwas Unheimliches, etwas Mächtiges, etwas, dass uns ähnlich manipuliert, wie mich die Walliser Sagen in meiner Kindheit. Da ist irgendetwas oder irgendjemand, der alles sieht und alles weiss.

Christine Zufferey, Make Google…, aus der Serie: ALIAS or the world as a world without object, 2017-

Die multidisziplinäre, installative Werkserie ALIAS or the world as a world without object (2017–) beschäftigt sich indirekt mit der Geschichte und Entwicklung des Computers. Dabei interessieren mich insbesondere die theoretischen Grundlagen, welche der Computertechnologie zu Grunde liegen: formale/symbolische Logik und Mathematik. Im weitesten Sinne inspiriert von Malewitschs Schrift «Die Welt als Ungegenständlichkeit» beschäftige ich mich in ALIAS mit unterschiedlichsten Phänomenen zeitgenössischer «Gegenstandslosigkeit» unter dem Vorzeichen des digitalen Zeitalters, und mit Prozessen der Abstraktion in der Kunst, symbolischer Logik und Mathematik.

Helga Zumstein

Es ist eine schöne Ironie: Ich habe KI als künstlerisches Werkzeug verlassen, weil ihr Ausdruck fehlt – nutze sie aber weiter dort, wo Klarheit und Struktur gefragt sind. KI ist stark im Formgeben, nicht im Sinnstiften. Sie kann kürzen und ordnen, doch das Warum muss von mir kommen. Vielleicht ist genau das ihr Platz: nicht als Autorin, sondern als Assistentin.