«Kunst und Care – Vereinbarkeit von Beruf und Familie»
Workshop mit Vertreter:innen aus Kulturförderstellen, 24. Oktober 2024 in Bern
Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Karriere von Kunst- und Kulturschaffenden mit Kindern. Die Hauptverantwortung für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen liegt bei den Förderstellen und der Politik. Aus diesem Grund führte Visarte im Herbst 2024 nach dem Erscheinen der Studie «Kunstberuf und Familie» einen Workshop für interessierte Kulturförderstellen durch. Ziel war es, mögliche Lösungen für familienfreundliche Residenzprogramme und Stipendien zu erarbeiten und deren Umsetzung in die Praxis zu erleichtern. Dabei wurden sowohl Erfolgsfaktoren als auch mögliche Schwierigkeiten festgestellt.
Die Veranstaltung in Bern zeigte, wie wichtig das Thema ist und dass die Rahmenbedingungen für Kunst- und Kulturschaffende mit Kindern verbessert werden müssen. Dafür sollen neue Förderprogramme entstehen und bestehende Reglemente so angepasst werden, dass Kunstschaffende mit Care-Aufgaben chancengleich berücksichtigt werden.
Aus Erfahrungen und Erkenntnissen sollen familienfreundliche Förderprogramme entwickelt werden. Wichtig ist, dass die Institutionen und Förderstellen diesen Prozess starten und rasch Verbesserungen einleiten können.
Es sollen Tools geschaffen werden, die sich idealerweise den Bedürfnissen von Kunstschaffenden mit Care-Aufgaben anpassen. Dies wäre ein bedeutender Schritt in Richtung angestrebte Chancengleichheit.
Nachhaltige Förderung verhindert Karriereknicks wegen Care-Aufgaben und verlängert Karrieren, was die Wertschöpfung der Förderung verbessert. Längere Karrieren eröffnen neue Themen, die in die Kunstwelt einfliessen und die Gesellschaft spiegeln.
Familienfreundliche Programme bedeuten Mehrausgaben, die bestenfalls nicht das Kulturbudget belasten sollen. Können weitere Abteilungen in den Organisationen dafür gewonnen werden, diese Mehrkosten mitzutragen und Kooperationen einzugehen? Besprochen wurde auch die Idee eines Fonds, der die Kosten mittragen soll, um die Kulturbudgets der Förderinstitutionen mit Familienprogrammen zu entlasten.
Strukturelle Barrieren zeigen sich in Institutionen mit einem breiten Residenzprogramm deutlicher als in kleineren Förderorganisationen. Wenn breit aufgestellte Organisationen den Fokus auf diese Barrieren richten und Förderprogramme an gesellschaftliche Entwicklungen anpassen, werden sie zum Vorbild für weitere Förderstellen. Dabei dienen Austausch-Veranstaltungen als Plattform für Wissenstransfer, Vernetzung und die Entstehung neuer Allianzen und Kooperationen.
Einführungsrefrate:
Lisa Pedicino, Pro Helvetia: Kulturpolitischer Rahmen, Vorstudie «Geschlechterverhältnisse im Schweizer Kulturbetrieb»
Philippe Sablonier, Moderator der Veranstaltung, Künstler, Journalist und Dozent, präsentiert Auszüge der Studie «Kunstberuf und Familie»
Renata Cristellon, Visarte Schweiz, zum Visarte-Atelierstipendium Künstler:in+Kind
Best-Practice Referate
Stefan Wagner, Geschäftsführer der Kulturstiftung Kanton Thurgau, Der strukturelle Wandel der Kulturstiftung
Annie Heine, Atelier Mondial, Familienfreundliche Residencies bei Atelier Mondial
Leonie Thalmann, Pro Helvetia, Erfahrungen seit der Lancierung des Pilotprojekts «Modell Elternunterstützung» bei Pro Helvetia
Studien zum Thema:
- «Kunstberuf und Familie – Erkenntnisse und Handlungsanleitungen zur Vergabepraxis von Atelierstipendien» Durchgeführt im Auftrag von Visarte Schweiz, Philippe Sablonier, Zürich, 2023
- «Geschlechterverhältnisse im Schweizer Kulturbetrieb – Eine qualitative und quantitative Analyse mit Fokus auf Kulturschaffende, Kulturbetriebe und Verbände». Durchgeführt im Auftrag von Pro Helvetia und dem Swiss Center for Social Research. Zentrum Gender Studies, Andrea Zimmermann, Basel, 2021.
Die Veranstaltung wurde unterstützt von Pro Helvetia.